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"Wer entdeckte eigentlich die heilende Wirkung der Moorerde bei Bad Schmiedeberg, ein Mediziner, ein Chemiker? Nein, ein Töpfer war es, so berichten die Einheimischen. Seinen Namen kennen wir nicht, man hat ihm auch kein Denkmal gesetzt, obgleich er es verdient hätte, denn ihm hat die kleine Stadt ihre Aufwärtsentwicklung zum Kur und Heilbad zu verdanken.

In dem nach Süden gelegenen Teiles des langgestreckten Ortes, der heute noch im Volksmund der "Töpperberg" heißt, wohnten vor dem Leipziger Tor die Töpfer. Sie benutzten den sogenannten Flaschenton, der in geringer Tiefe vielfach in der Umgebung zu finden war und drehten auf ihren Töpferscheiben verschiedene Formen Gebrauchsgeschirr, Töpfe, Krüge und Flaschen für das gute Schmiedeberger Bier. Ihr Handwerk hatte den Nachteil, dass sie im Alter meißt das Reißen plagte. Rheumatismus war ihre Berufskrankheit, denn sie mussten, ob Sommer oder Winter, ihre Töpferscheiben mit nackten Füßen drehen.

Nun lebte da ein älterer Töpfermeister, der den Ton bei Moschwig holte. Ihm fiel das Laufen neben dem Hundewagen schwer, denn das Rheuma zwickte in seinen Beinen. Als er am Vitriolwerk in Moschwig vorbeikam und die schwarze, dampfende Vitriolmoorbrühe sah, die gerade in den Abflussgraben gelassen wurde, hielt er mit seinen Hundewagen an. Kurz entschlossen entledigte er sich seiner Stiefel und Strümpfe, setzte sich an den Grabenrand und steckte die Beine bis an die Knie in die heiße, schwarze Brühe. Er hoffte, etwas Linderung der Schmerzen zu finden. Lange blieb er so sitzen, und es tat ihm gut. Dieses Bad wiederholte er beim nächsten Tonholen, dann ging er auch so nach Moschwig, dreimal in der Woche. Diese Prozedur nahm er mehrere Wochen vor und war sein Gliederreißen los. Er erzählte den anderen Töpfern im Orte davon und wurde so der Entdecker der Heilwirkung des Schmiedeberger Moores.

Als 1878 die Garnison verlegt wurde, bedauerten die Bürger wegen der fehlenden Verdienste den Abzug der Dragoner sehr. Das Garnisonslazarett und die neue Reithalle standen leer. Aber einge Männer entsannen sich, was die Töpfer taten, um ihr Rheuma loszuwerden, und sie richteten Wannenmoorbäder ein. Aus primitiven Anfängen entwickelte sich das Moorbad Schmiedeberg, das schon vielen Tausenden Heilung und Linderung gebracht hat."

(Quelle: "Wittenberger Rundblick"; Ausgabe 17/1957; Seite 30 aus: "Die Entdeckung der Heilwirkung des Moores")

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