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"Spukgeschichten pflanzen sich von Generation zu Generation fort. Vom Gollmer Weinberg werden auch
solche Geschichten erzählt, dass es eine unheimliche Stätte sei,
dort oben Geld brenne und eine Kriegskasse vergraben liege. Aber welche
Kriegskasse aus welchem Krieg kann niemand sagen. Überhaupt weiß
keiner etwas Genaues. Nur der alte Traugott Haeger, er lebte in den 1860ern
als Stadtmusikus in Pretzsch an der Elbe, konnte etwas Sonderbares berichten.
Eines Sonntages spielt er
mit seiner Kapelle in der Gastwirtschaft auf dem Gollmer Weinberg zum Tanz
auf. Er hatte Kopfschmerzen und wollte etwas an die frische Luft gehen.
So verließ er den Saal und stieg den Berg hinauf. Kurz vor der Höhe
stand er auf einmal einer großen Musikkapelle gegenüber. Die
Musiker und der Kapellmeister waren wunderlich altmodisch gekleidet. Aber
sie machten eine Musik, wie er sie noch nie so schön und rein gehört
hatte. Er stand befangen und still, lauschte und sah zu, wie der Kapellmeister
den Taktstock schwang, bis die Schlussakkorde verhallten. Da, mit einem
Schlag war alles vor deinen Augen verschwunden, eine große Stille
trat ein.
Keiner wollte dem alten,
ehrlichen Traugott Haeger glauben, wenn er sein wunderliches Erlebnis schilderte.
Doch nach einer gewissen Zeit kam der Knecht Lorbeer, der aus Schmiedeberg
stammte, zu ihm. Er hatte auf dem Gollmer Weinberg gedient und war seinem
dortigen Herrn davongelaufen, da er es auf dem Gollmer nicht mehr aushalten
konnte. Auf die erstaunte Frage Haegers nach dem Grund seines Fortlaufens erzählte
er mit geheimnisvoller Flüsterstimme dieselbe Geschichte von der wunderlichen
Kapelle auf dem Weinberg. Lorbeer war ein zuverlässiger, ehrlicher
Bursche, dem man glauben durfte. Der alte Musikus Haeger schüttelte
gedankenvoll den Kopf: "Ja, es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die
wir uns nicht erklären können. Aber es war die wunderschönste
Musik, die ich je hörte.!"
Wenn Sie nach einem Spaziergang
im Hotel Gollmer Weinberg rasten, steigen sie doch auch mal den Berg hinauf
- Vielleicht kommen auch Sie in den Genuss der "geheimnisvollen Kapelle"
lauschen zu dürfen.
(Quelle: "Aus der Geschichte
der Stadt und des Schlosses Pretzsch"; Otto Rösenberger; Pretzsch
1921; Seite 122 aus: "Die geheimnisvolle Kapelle")
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