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Bevor in Schmiedeberg das Eisenmoorbad
gegründet wurde, war hier eine Garnison untergebracht. Im Jahre 1878
wurden die Dragoner zu größeren Einheiten zusammengezogen und
dabei verlor Schmiedeberg seine Dragoner...
"Die Mannschaften hatten hier in Bürgerquartieren
gelegen, waren dadurch ständig mit den Einwohnern in Berührung
gekommen. Das alles hatte natürlich ein festes Band der Zusammengehörigkeit
zwischen Zivil und Militär gebildet, welches nun jäh zerrissen
wurde. Viele junge Mädchen hatten einen Dragoner als Ehemann, aber
auch manch angeknüpfte zarte Beziehung war bedroht. Die wirtschaftlichen
Vorteile für Handel, Handwerk und Gastwirte waren dahin. Verständlich
war es also, dass allgemein Niedergeschlagenheit herrschte.
Im Heidestädtchen Düben lag
auch Militär, dieser Ort behielt aber seine Husaren. Mit Schadenfreude
vernahmen die Dübener deshalb vom Verlust ihrer Nachbarstadt, und
man beschloss sie zu trösten. Ein Spaßvogel beim Magistrat in
Düben unterbreitete den Vorschlag, der auch ausgeführt wurde:
Wohl verpackt und mit einem schwarzumränderten Handschreiben versehen,
wurde ein Paket an den Rat der Stadt Schmiedeberg geschickt. Und was enthielt
das Paket? - "Eine Schachtel Zinnsoldaten - im Auftrag der Bürger
von Düben und des Rates der Stadt als Zeichen der Anteilnahme - und
mit der Empfehlung, doch den Inhalt der Schachtel in der Stadt als Trost
aufzustellen. - Stempel - Unterschrift."
Empört waren die Bürger in
Schmiedeberg über diesen amtlichen Humor. Doch wer zuletzt lacht,
lacht bekanntlich ja am besten! Im Rathaus wurde die Schachtel Zinnsoldaten
und das Schreiben sorgsam aufgehoben. Und es kam bald der Tag, da zogen
die Dübener Husaren mit schmetternder Musik zum Paradeplatz und dann
für immer aus dem Städtelein hinaus. Als die Bürger von
Schmiedeberg vom Abzug der Dübener Garnison erfuhren, lachten sie
noch viel schadenfroher. Der Ratsschreiber suchte die Schachtel und das
Begleitschreiben wieder heraus und legte beides dem Magistrat vor. Dann
schrieb er mit seiner schönen, mit schwungvollen Schnörkeln versehenen
Handschrift:
"Urschriftlich an den hochwohllöblichen
Magistrat der Stadt Düben retourniert mit dem Bemerken, dass die Bürger
und der Rat der Stadt Düben jetzt viel trostbedürftiger sind,
den ihnen die Bürger der Stadt Schmiedeberg ehrerbietigst in verständnisvoller
Anteilnahme entbieten mit der Empfehlung, die retournierten Soldaten auf
dem Paradeplatz aufzustellen, damit dieser wieder seinen schönen Namen
zu recht behalten kann. - Stempel - Unterschrift!"
Leider kann diese Geschichte nicht
belegt werden, da sich in Düben keine Dokumente hinsichtlich diesen
Vorfalls befinden."
Aus: Schmiedeberg und seine Dragoner
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